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Unser Gehirn ist ständig über das, was um uns (über
die fünf Sinne) und in uns (Propriozeption…) vor sich geht,
informiert. Wie ein Computer analysiert und bearbeitet es diese Unmengen
an Informationen, indem es sie mit allen bis dahin gespeicherten Daten
vergleicht.
In einer Stresssituation sucht das Gehirn (nach dem Motto „wir
haben ein Problem“) alle möglichen Daten, Informationen
und Programme nach einer Lösung (auf körperlicher Ebene)
ab. Es löst augenblicklich die bestmögliche Reaktion oder
das erfahrungsgemäß beste Verhalten aus, wobei dieser Computer
(das Gehirn) einzig und allein darauf programmiert ist, uns und unsere
Art am Leben zu erhalten.
In unserem Gehirn sind hauptsächlich drei
Sorten von Daten gespeichert, die es in einer Stresssituation abruft:
1.
Alles, was wir selbst erlebt haben, von der Geburt bis heute.
Alle Erfahrungen und Erlebnisse mit den dazu gehörigen Emotionen
und Wahrnehmungen sind im Archiv gespeichert und jederzeit abrufbar.
Sobald die Stresssituation in der Gegenwart an ein Erlebnis aus der
Vergangenheit erinnert, verhält man sich automatisch so, wie es
einem die Vergangenheit diktiert.
Beispiel:
An einer bestimmten Kreuzung habe ich vor zehn Jahren einen Unfall
verursacht, weil ich die Rechtsvorfahrt nicht beachtet habe. Noch heute
jedes Mal, wenn ich an diese Kreuzung komme, schaue ich dreimal nach
rechts, um mich zu vergewissern, dass von dort kein Auto kommt. Das
ist absolut logisch, aber auf keinen Fall intelligent, weil - statistisch
gesehen - die Chancen, dass ich an drselben Kreuzung auf dieselbe Art
und Weise noch einmal einen Unfall haben könnte, sehr gering sind.
Eine intelligente Reaktion darauf wäre gewesen, dass ich auch
in Zukunft an anderen Kreuzungen auf die Rechtsvorfahrt achte, aber
da fahre ich genau so unvorsichtig wie vorher, mein Gehirn reagiert
ja dort nicht.
Diese vorsichtige Verhaltensweise ist eine vollkommen bewusste Reaktion.
Wenn ich mich an dieser Kreuzung dreifach vergewissere, weiß ich
ganz genau, weshalb ich das tue. Unser Gehirn funktioniert aber ständig
auf diese Art uns Weise und meistens ohne dass wir es bewusst merken,
ohne dass wir unser Verhalten bewusst mit einem ursächlichen Erlebnis
in der Vergangenheit in Verbindung bringen.
2.
Alles, was gewesen ist, als wir im Bauch unserer
Mutter waren, gezeugt, getragen und geboren wurden, ist lückenlos
in unserem Gehirn (und unseren Zellen) festgehalten.
Die hormonalen Reaktionen der Mutter in gewissen Stresssituationen
prägen das Kind. Es „merkt sich“, wie seine Eltern
mit Stress umgehen. Später wird sein eigenes (Stress)-Verhalten
davon abhängen.
Beispiel:
Klara (4) legte im Kindergarten ein sonderbares Verhalten an den Tag,
sie wollte nicht mit den anderen mit tanzen und singen, sie stellte
sich abseits. Die Mutter sagte mir, dass sie das nicht verstehe, da
Klara zu Hause den ganzen Tag vor sich hin singe, wenn sie z.B. mit
ihren Puppen spiele.
Klara hat ihr Verhalten ganz geändert, nachdem ihr Programm gefunden
und korrigiert wurde. Während der Schwangerschaft hatte sie Folgendes
registriert:
Klaras Vater ist Fernfahrer und verbringt den ganzen Tag allein in
seinem Sattelschlepper. Das Radio ist meistens eingeschaltet und sobald
er das gespielte Lied kennt – und er kennt fast alle, da das
Radio ständig läuft – singt er lauthals mit. So singt
er praktisch den ganzen Tag vor sich hin.
Er hat dann natürlich auch Tendenz, das auch zu Hause zu tun,
aber das verträgt seine Frau nicht und sagt bei solcher Gelegenheit: „Du
würdest besser den Mund halten, lass du die mal lieber alleine
singen, du ‚verschandelierst’ das ganze Lied…“
Klara hielt sich später an diese Regel, wenn sie alleine war,
sang sie den ganzen Tag (wie der Vater), aber in Gegenwart anderer „hielt
sie besser den Mund“.
Wir erklären Klara, dass nicht sie es war, auf die sich diese
Bemerkung bezog, sondern ihr Vater, und dass sie, Klara, sehr wohl
die anderen beim Singen begleiten durfte, was sie dann auch gleich
am nächsten Tag tat.
3.
Alles was unsere Vorfahren erlebt haben, bevor wir gezeugt wurden,
steht unserem Gehirn ebenfalls zur Verfügung. Wir „lernen“ aus
ihren Erfahrungen.
Manchmal sind wir aber auch – aus einer gewissen Familienloyalität
heraus – unbewusst dazu angehalten, Dinge in unserem Leben zu
wiederholen.
Beispiel:
Ein Junge lügt immer und gibt vor allen Dingen nicht zu, was er
angestellt hat, auch wenn die Mutter ihm versichert, dass sie ihn nicht
bestrafen wird, wenn er nur die Wahrheit sagt. Er streitet weiterhin
strikt alles ab, obschon alle (er auch) wissen, dass er es war.
Man versteht sehr schnell sein Verhalten, wenn man erfährt, dass
seinem Großvater im zweiten Weltkrieg in einem Verhör derart
zugesetzt worden war, dass er letztendlich geredet hatte. Anschließend
hatte man ihn erschossen, obschon man ihm zugesichert hatte, ihn am
Leben zu lassen, wenn er gestehe und die Namen seiner Kameraden nenne…
Dieses Programm wird im Computer Gehirn gelöscht, indem man dem
Jungen erklärt, dass das, was seinem Großvater passiert
ist, ihm niemals passieren wird, d.h. dass wir nicht mehr im Krieg
sind, dass niemand ihn erschießen wird, wenn er zugibt, was er
angestellt hat. Die Mutter bestätigt sofort, dass sie ihn wirklich
nicht bestraft, wenn er die Wahrheit sagt.
Der Junge versteht, verspürt große Erleichterung und ändert
sein Verhalten.
(Er kannte die Geschichte seines Großvaters nicht.)
Daraus verstehen wir auch des Weiteren, dass in unserem Gehirn schon
seit Jahrtausenden gewisse Verhaltensmuster in Stresssituationen, in
Not- oder Gefahrensituationen, einprogrammiert sind. |
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